Erklärungen vs. Erfahrung – wie wir alternativen Heilmethoden die Anerkennung verweigern!

Erklärung vs. Erfahrung - wie wir alternativen Heilmethoden die Anerkennung verweigern!

  • Beweise vs. Nachweise am Beispiel des Gesundheitssystems
  • Eine ’nicht verstandene Erklärung’ zählt anscheinend mehr - als eine ’hohe Wahrscheinlichkeit'

(Bei diesem Beitrag handelt es sich um einen Auszug aus dem Buch: Das Ende der Matrix-Kultur. Die Geschichte geht weiter: 'Wo bleibt die Rebellion? Unternehmen in der Pflicht - Neuerscheinung Nov 2016).

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Alternative Heilmethoden schneiden zum Beispiel bei chronischen Leiden, bei vielen Infektionen und bei so manch schwere Erkrankung, im Verhältnis zur Schulmedizin, besser ab. Hinzu kommt, dass bestimmte alternative Methoden weniger Nebenwirkungen aufweisen und noch dazu günstiger sind. Trotz gleich-guter oder besserer Erfahrung (Nachweis) wird diesen Alternativen weniger geglaubt. Denn es fehlt ihnen die offizielle und anerkannte Erklärung (Beweis) für ihre Wirkung.

Bioresonanz, Homöopathie, klassische Naturheilkunde, chinesische Medizin oder Reiki - nur um an dieser Stelle einige Methoden beim Namen zu nennen. Es geht hier nicht um diese Methoden als Solche, sondern um die generelle Verweigerung von guten Erfahrungen (Nachweisen), wenn diese nicht mit herkömmlichen Thesen erklärbar sind. Nicht erklärbar sind sie dann, wenn eine wissenschaftlich-anerkannte Theorie fehlt.

Aus der Placebo-Forschung wissen wir heute, dass der medizinische Heilerfolg steigt, wenn der Glaube an eine Therapie gegeben ist. Oftmals schneidet die Vergleichsgruppe mit echten Präparaten nur um 10% besser ab als die Placebo-Gruppe. Wie gut würden erst alternative Heilmethoden wirken, wenn für sie allgemeine und anerkannte Erklärungen vorhanden wären.

Ursache und Wirkung

Wenn mit hoher Wahrscheinlichkeit Ursache und Wirkung vorhersehbar sind, dann sprechen wir von Erfahrungen. Sind die Erfahrungen positiv, dann sprechen wir von guten Erfahrungen. Doch in gewissen Systemen reicht uns dieser Ansatz nicht aus. Zum Beispiel im Gesundheitssystem. Hier zählt vornehmlich die wissenschaftliche Erklärung (Beweis), zusammen mit einer Studie (Nachweis). Beweis und Nachweis bedingen sich hier bei Anerkennung und Anwendung. Hier ist auch nichts einzuwenden. Das Problem ist der Umkehrschluss.

Erklärungen werden seltener verstanden als vergleichende Studien. Dennoch gilt eine vorhandene Erklärung (Beweis) als Hürde, sich überhaupt mit einer Studie (Nachweis) zu beschäftigen bzw. eine anzufertigen. Studien belegen die hohe Wahrscheinlichkeit von Ursache und Wirkung. Studien sind Erfahrungsberichte. Wenn Erklärungen (wissenschaftliche Beweise) nicht verstanden werden, dann sind isoliert betrachtete Studien im Grunde genommen eine akzeptierte Erfahrung. Aber genau von diesen mitgeteilten 'guten Erfahrungen' will die Mehrheit bei alternativen Heilmethoden nichts wissen. Plötzlich fehlt uns der Beweis, also die wissenschaftliche Erklärung. Hauptsache ein Beweis existiert - ganz egal, ob wir ihn verstanden haben oder nicht. Und ob er stimmt, dass können wir ohnehin nicht selbst überprüfen.

Ein ’nicht verstandener Beweis’ und eine niedrige Erfolgsrate (belegt in einer Studie)  zählen anscheinend mehr, als eine ’hohe Wahrscheinlichkeit, bei der es uns an Erklärungen fehlt’. In anderen Worten: Eine vorhandene Erklärung ist höherrangiger als hohe Wahrscheinlichkeiten. Wir glauben der wissenschaftlichen Erklärung, auch wenn wir sie nicht verstehen. Und wir wollen Studien nur dann glauben, wenn für sie eine Erklärung existiert. Eben genau darüber verfügen viele alternative Heilmethoden nicht. Für sie existiert keine Erklärung. Warum auch, wenn sie gut funktionieren und niemanden gehören!? Denn da liegt das Problem: Sie gehören niemanden.

Die erklärbare Medizin muss sich keine Sorgen machen, denn die Beweisführung für alternative Methoden lohnt wirtschaftlich nicht.

"Denn solange das, was bewiesen werden müsste, niemanden gehört, wird es auch niemanden geben, der beweist."

Da ein Beweis von bereits Vorhandenem keinen anderen Vorteil hat, außer der Gemeinschaft Geld zu sparen, werden wir noch lange auf solche Zulassungen warten.

Das System (Matrix-Kultur)

Die Industrie würde sofort das Beweisen aufnehmen, wenn ihnen anschließend das Verfahren oder das Stück Natur gehören würde. Die Natur als Patent, ein zweifelhafter Weg, der dazu führen würde, dass günstige und gute Alternativen verschwinden. Leider sind wir bereits auf diesem Pfad. Saatzüchter und Kommissionen haben bereits angefangen, die Natur (Saatgut) mit Zulassungen zu versehen. Wem die Zulassung von bereits existierender Natur fehlt, der darf sie nicht mehr verwenden (siehe: Kapitel IV - Matrix-Kultur II - Release 3Q 2016).

Würden wir die Preise der alternativen Heilmethoden verzehnfachen, dann ließe sich von diesem Geld eine Beweisführung anstreben. Die bereits vorhandene Beziehung von Ursache und Wirkung würde sich natürlich nicht verändern. Aber mehr Leute würden daran glauben, was wiederum die Heilung fördert. Wir müssen entscheiden: Teure und endlich mal erklärte Alternativmedizin oder günstige Alternativmedizin mit guten Erfahrungen. Letzteres meint, dass wir herkömmliche Erfahrungsstudien zur Freigabe nutzen – auch wenn uns (noch) eine Erklärung fehlt. Mit Freigabe meine ich hier die Freigabe durch unser Gesundheitssystem.

Niemand wird für eine Zulassung kämpfen, denn auch die meisten alternativen Heilkundler sind froh, dass solche Methoden nicht von den Kassen getragen werden. Denn würden mehr alternative Methoden von den Kassen bezahlt werden, dann würden mehr Patienten es von den Kassen finanziert, auch beim Arzt machen lassen.

Keine Sorge - liebe Heilpraktiker. Das jetzige Gesundheitssystem wäre nicht in der Lage, diese zusätzlichen Anwendungen zu stemmen. Nicht finanziell, denn viele der Methoden sind sogar günstiger. Die aktuelle Anzahl der Ärzte wäre rein zeitlich nicht dazu in der Lage, die Aufgaben der Heilpraktiker zu übernehmen.

Also machen wir so weiter wie bisher. Wir belasten das Gesundheitssystem mit teueren Leistungen, für die es oft besseren und günstigeren Ersatz gäbe. Und wir belasten Patienten, die freiwillig und privat finanziert zu alternativen Methoden greifen. Und auch die Ärzte werden belastet. Denn statt mehr von ihnen zu beschäftigen, verschwenden wir Budget für teure und unnötige Behandlungen.

Wir haben es hier mit den typischen Merkmalen eines an sich selbst blockierenden Systems zu tun: Unwahrheit, fehlender Mut, Ausgrenzung, Unterscheidungsschwäche, Verantwortungslosigkeit und Manipulation. Leistungen werden immer weiter reduziert, Mediziner und Pflegepersonal immer schlechter bezahlt und Beitrage immer weiter erhöht. Das ist Virtualität in der Reinform. Ganz ähnlich wie unser Finanzsystem.

Andreas Lange - Autor, Speaker und Systemberater (Vita)

E-Mail: info@Andreas-Lange-Blog.de

Weitere Beiträge:

Zu meinen Büchern:

In meinem Buch 'Das Ende der Matrix-Kultur', habe ich die Abbildung und Auswirkung neuropsychologischer Blockaden im Kontext von Arbeit und Gesellschaft beschrieben.

Im Nov. 2016 erscheint das zweite Buch dieser Reihe. 'Wo bleibt die Rebellion? Unternehmen in der Pflicht' hinterfragt die bisherigen Gesetze der Ökonomie. Sind diese Gesetze vor dem Hintergrund einer aufklaffenden Schere von Arm und Reich und der drohenden Klimaveränderung noch zeitgemäß? Was können wir tun, um Entscheidungen und Ziele auf eine nachhaltige Basis zu stellen? Wie können wir Unternehmen organisieren, um den Anspruch für mehr Ausgleich gerecht zu werden.

1 Response

  1. <> Wie sollte sich durch Erklärungen etwas an der Wirkung ändern? Auch konventionelle Heilmethoden wirken nicht besser, wenn man weiß, warum sie wirken. Acetylsalicylsäure hat 100 Jahre lang funktioniert, bevor man wusste, warum. Die Wirkung hat sich danach doch auch nicht verbessert...